Eine der weitesten Auswärtsfahrten der Saison stand an diesem 15. Spieltag für alle Jahn-Schlachtenbummler an. Aachen liegt direkt im Dreiländereck und grenzt sowohl an die Niederlande als auch an Belgien. Circa 571 km einfache Autobahnstrecke warteten sehnsüchtig auf uns. Spiele gegen die Alemannia sind unnormal rar. Erst vier direkte Aufeinandertreffen gab es in der so langen deutschen Fußballhistorie. Die einzigen beiden Ligaduelle in der Spielzeit 2003/2004 gingen an den nordrhein-westfälischen Traditionsverein von 1900. Damals spielten beide Klubs zweitklassig. Die beiden verbleibenden Spiele erfolgten im Pokal. 1969 schlug Aachen unseren Jahn knapp mit 1:0, gut 26 Jahre später nach Verlängerung mit 3:1. Die Alemannia trug bis zum Ende der Saison 2008/2009 ihre Heimspiele im alten Tivoli aus. Das neue Stadion, welches sich unweit des ursprünglichen Stadiongrundstückes befindet, wurde im August 2009 eröffnet und ist seitdem die neue Heimat des TSV. Direkt neben dem Neubau befindet sich zudem das größte Reitstadion der Welt, bei dem 40.000 Pferdemädchen hochmotiviert ihren Idolen bei diversen Reitsportveranstaltungen den Rücken stärken. In dieses Mekka des Pferdesports passen sogar gut 7.000 Zuschauer mehr, als ins neue Fußballstadion der Alemannen.
In aller Herrgottsfrüh rollten die Busse in Richtung Nordwesten. Die Busorganisatoren kümmerten sich um feinste Verpflegung. So wurden italienische Speisen wie Bruschetta und Ciabatta mit diversen Toppings angeboten. Irgendwie verging die Zeit auf der Autobahn wie im Flug, weshalb wir mehr als rechtzeitig die diesmalige Spielstätte erreichten. Nach den normalen Einlasskontrollen wurde sich problemlos auf den Anpfiff vorbereitet. Dieser Spieltag stand zudem im Namen des Protests gegen die geplanten Vorhaben der deutschen Innenminister, die mittlerweile dem stumpfen Populismus zum Opfer gefallen sind. Aufgrund dessen blieben die Kurven in den ersten zwölf Minuten stumm. Keine Zaunfahnen, keine Schwenker, keine Gesänge, einfach Stille. Die Aachener Werner Fuchs Tribüne nutzte diese Heimspiel, um an Opfer des Holocausts zu erinnern. Unter dem Leitmotto „In Gedenken an alle Alemannen, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind“ waren sowohl im Stehbereich als auch auf der Anzeigetafel mehrere Namen zu sehen. Vor Anpfiff wurde diesbezüglich auch eine Schweigeminute abgehalten. Unter der Woche stellte der SSV Jahn den neuen Sportdirektor, Dr. Alexander Schmalhofer, vor. Schmalhofer verdiente zuletzt mehrere Jahre bei Red Bull Soccer sein Geld. Als Spieler schnürte er für Unterföhring, Heimstetten, Buchbach sowie die Zweite von Unterhaching seine Fußballschuhe. Wir wünschen ihm stets ein glückliches Händchen! Darüber hinaus kam es an diesem Spieltag zum Wiedersehen mit dem ehemaligen Chefcoach unserer Rothosen. Jahn-Legende Mersad Selimbegovic, der mit einer Amtszeit von 1.408 Tagen bis dato am längsten an der Seitenlinie unseres Traditionsvereins stand, heuerte vor Kurzem beim diesmaligen Gegner an. Das Verpflegungsangebot im Gästebereich war überdurchschnittlich gut. So inhalierten manche Jahnfans auf seriös ein Becherchen Aperol Spritz. Zudem stolzierten mobile Getränkeverkäufer durch den Gästeblock. Nervig war allerdings eine der Getränkestandangestellten, die grundlos wie eine Vollgeschockte rumschrie und dabei ihre eigentliche Arbeit vernachlässigte. Erwähnenswert ist allerdings noch die Aussage eines Catering-Verantwortlichen, dass die anwesenden Regensburger nahezu den gesamten Biervorrat leergesoffen hätten. Stabil! Der Sitzplatzbereich, auf dem sich alle Rot-Weißen platzierten, war mit dämlichen Safe-Standing-Metallbauten ausgestattet. Die Stehfläche war zudem in der hinteren Hälfte unvorteilhaft mit einer leichten Schräge bestückt, die die Bewegung zusätzlich einschränkte. Circa 620 Regensburger konnten es sich nicht nehmen lassen, die Jahnelf zum Sieg zu schreien. Aufgrund der Distanz für unsere Verhältnisse eine mehr als ordentliche Auswärtsfahrerzahl. Während der Schweigephase hing am Zaun der heimischen Werner Fuchs Tribüne ein großes „Soll das die Zukunft des Fußballs sein?“-Spruchband. Außerdem war ein „Vereine und Verbände: Schützt eure Kurven vor Populisten“-Transparent lesbar. Die mitgereisten Regensburger Gästefans präsentierten den selben Wortlaut. Auf der Aachener Osttribüne war zudem ein kleiner „Fankultur braucht Freiräume“-Fetzen zu sehen. Zum Supportbeginn startete unsere Gästekurve mit einem Doppelhalter-Intro. Die Heimkurve zeigte während der 90 Minuten mit „10 Jahre Seite an Seite! 10 Jahre Monkey Fighters! Alles Gute!“ sowie „Gegen alle Verbote“ zwei weitere Spruchis. Dieses so wichtige Auswärtsspiel begann gar nicht mal so blendend: Aachen schob in der allerersten Minute den Ball am leeren Tor vorbei. Der Treffer hätte allerdings aufgrund einer vom Schirigespann erkannten Abseitsstellung zurecht nicht gezählt. Nur 120 Sekunden später küsste die Kugel die Regensburger Querlatte. Glück gehabt, darf auch mal sein! In der 22. Spielminute sorgte Bauer per Kopf für den Führungstreffer, der im Gästeblock aufgrund der unübersichtlichen Situation am anderen Ende des Stadions leicht verzögert wahrgenommen wurde. Das Spiel machte wirklich Spaß, die Jahnelf war motiviert und erneut überraschend spielstark. Die Abwehraktion des Spieltags gelang Jahn-Österreicher Mätzler kurz nach Wiederanpfiff, als er den Ball in allerhöchster Not hinter dem geschlagenen Gebhardt vor der Torlinie mit einer Monstergrätsche klärte. Wow! In der 55. Minute erhöhte Hottmann dann auf 2:0, was für enorme Freude sorgte. Aachen war keinesfalls schlechter, fand aber gegen unser Abwehrbollwerk kein passendes Mittel. Auswärtssieg!
Durch diesen wichtigen Dreier in der Ferne rücken wir auf den zwölften Tabellenrang vor. Am kommenden Wochenende geht es im heimischen Jahnstadion gegen Hansa Rostock, die zuletzt Schweinfurt bezwingen konnten und vier Punkte vor dem Jahn stehen. Die heiße Winterphase ist eröffnet, noch vier Spiele bis zum Jahresende. Das Ziel muss selbstverständlich die volle Punkteausbeute sein. Mittlerweile wissen wir, dass unsere anfänglichen Fußballlegastheniker doch etwas mit dem Ball anfangen können. Lasst uns eine Serie starten!
Gemeinsam zum Heimsieg!
~ Castra Regina Invicta