Am letzten Spieltag des Jahres und zugleich zum Abschluss der Hinrunde wartete mit dem FC Energie Cottbus aktuell fußballerisch ein echter Kracher auf unsere Rothosen. Der Tabellenführer, der unbedingt am Drittligagipfel überwintern wollte, musste sich allerdings am vergangenen Wochenende gegen den SV Wehen Wiesbaden mit 3:1 geschlagen geben und sehnte sich diesmal nach Wiedergutmachung. Cottbus ist mit über 100.000 Einwohnern die größte Stadt der Lausitz und zeichnet sich zudem durch eine kleine Besonderheit aus: Viele Straßenschilder im Stadtgebiet sind zweisprachig. Neben der deutschen Bezeichnung findet man oftmals auch die sorbische Übersetzung. Sorbisch ist eine westslawische Sprache, die mittlerweile leider stark vom Aussterben bedroht ist. Obwohl der Verein eine lange Historie vorzuweisen hat, stehen nationale Titel für die Cottbusser bislang aus. Davon abgesehen sammelte der FCE bis dato dennoch zehn Landespokalsiege sowie drei Regionalligameisterschaften. Die sportlich erfolgreichste Zeit erlebten die Energiefans in den 2000ern. Von 2000 bis 2003 und 2006 bis 2009 mischte Cottbus in der Bundesliga mit. Unvergessen bleibt hier natürlich das von Kult-Keeper Tomislav Piplica erzielte Kopfball-Slapstick-Eigentor am 06.04.2002 im Spiel gegen Mönchengladbach. Piplica ist mittlerweile Torwarttrainer bei Lok Leipzig, welche in der Regionalliga Nordost gegen den Ball treten. Ein Sieg gegen die Brandenburger blieb unserem Sport- und Schwimmverein bislang verwehrt. In den bisherigen sechs Aufeinandertreffen in der 2. und 3. Liga setzte sich Cottbus drei Mal durch, ebenso oft wurden die Punkte geteilt.
Freitagvormittag starteten die Regensburger Szenebusse ihren Motor, um gen Lausitz zu rollen. Während der ersten großen Rasterpause wurden die Businsassen mit schmackhafter Pasta Bolognese sowie Pesto verköstigt. Wenige Augenblicke später schickte uns ein besorgter Bürger die Staatsmacht vorbei, weshalb sich die Weiterfahrt um ein paar Minuten verzögerte. Nachdem den Uniformierten weder Ordnungswidrigkeiten noch Straftaten am Rastplatz auffielen, durften wir unsere Reise in Richtung Stadion der Freundschaft fortsetzen. Munter wurde dann noch die ein oder andere Runde Schafkopf gezockt. Pünktlich kamen wir an der diesmaligen Spielstätte an, bei der entspannte Ordner auf uns warteten. Die Verpflegung im Gästeblock war allerhöchstens auf Regionalliga-Niveau, die Getränke wurden hochpreisig nur in 0,4 Liter-Bechern ausgeschenkt, was ja für den stolzen Oberpfälzer vor allem beim Bier eine Zumutung ist. Zudem gab es die gesamten 90 Minuten in den Sanitäranlagen kein fließendes Wasser zum Händewaschen. Die circa 340 anwesenden Jahnfans machten es sich im Block O der Südtribüne „gemütlich“. Wer über den Bielefelder Gästeblock schimpft, sollte mal nach Cottbus fahren. Was für ein Dreckssteher. Und dafür knöpfte Energie den Regensburgern freche 19 € zuzüglich 1 € Vorverkaufsgebühr für ein Vollzahler-Ticket ab. Diesbezüglich präsentierten die mitgereisten Domstädter ein Banner mit den Worten „Hey Moralapostel CDW, frag doch mal in deinem Club nach 19 € für nen Stehplatz!!“. Nichtsdestotrotz sticht das Stadion der Freundschaft im Dschungel der neumodernen Fußballarenen mit seinem eigenen besonderen Flair heraus. Die Energie-Fans eröffneten das Flutlichtspiel unter dem Leitspruch „Ohhh FC Energie, deine Fahnen soll‘n wehen. In alle Ewigkeit zu jeder schweren Zeit, werden wir zu dir stehen“ mit einem Fahnenmeer. Im Laufe der Partie äußerte sich die Heimkurve noch mit „Ein Präsident, der unseren Verein liebt und alles für ihn gibt. Danke für 5 Jahre unermüdlichen Einsatz!“ sowie „Andernorts gibt’s Forderungen für Stadien und Struktur. Bei uns nur leere Versprechen und am Ende die Abfuhr!“ zu vereinsaktuellen Themen. Den ersten gefährlichen Abschluss der Partie, der knapp am linken Pfosten vorbeihuschte, konnten die in rot-weiß auflaufenden Cottbusser verzeichnen. Auch unsere Truppe kam zu dem ein oder anderen Torschuss. Den Führungstreffer erzielte allerdings die Heimelf per ungefährlichem Kopfball. Wie Gebhardt den nicht halten konnte, erschließt sich uns nicht. Mann, oh Mann! Kurz vor der Pause erhöhte der Tabellenführer dann auf 2:0 und alles sah nach einer erneuten Auswärtsniederlage aus. Eine gute Viertelstunde nach der Pause packte Kapitän Kühlwetter aus knapp 25 Metern eine Fackel aus und brachte unsere Rothosen zurück ins Spiel. Der Anschlusstreffer löste plötzlich einen Regensburger Offensivlauf aus: Einen Flachschuss von Fein parierte der FCE-Schlussmann glänzend, im Anschluss setzt Bauer die Kugel ans Kreuzeck. In der 78. Spielminute war es dann doch soweit. Kühlwetter schlenzte das Spielgerät traumhaft ins rechte Toreck und schnürte seinen Doppelpack. Ausgleich! Die Partie hätte am Ende noch in beide Richtungen kippen können. Beim letzten Angriff der Lausitzer blieb uns für einen kurzen Moment das Herz stehen. Glücklicherweise landete der Torschuss aus acht Metern in den Armen von Felix Gebhardt. Alter Schwede! Kurz darauf war dann auch offiziell Schluss. Die Jahnelf war endlich mal ein ekelhafter Gegner, der sich in jeden noch so harten Zweikampf reinschmiss. Sogar mit den Heimfans legte sich der ein oder andere Jahn-Akteur an. Am Ende stand ein gerechtes Remis auf dem Spielbericht. Nach Abpfiff feierte die Cottbusser Nordkurve den Jahresabschluss, bei dem ein als Weihnachtsmann verkleideter FCE-Fan froh und munter eine Fackel anriss. Die gesamte Tribüne war zudem mit Lichterkerzen ausgestattet, die für eine besinnliche Atmosphäre sorgten. Auch wir verabschiedeten unsere Profis versöhnlich in die Winterpause.
Energie ist trotz des Punktverlustes Hinrundenmeister und überwintert als Spitzenreiter, da Duisburg zwei Tage später gegen Viktoria Köln patzte. Die Jahnelf zeigte wenigstens Moral und beruhigte durch den hart erkämpften Auswärtspunkt etwas die Gemüter aller, die es mit dem SSV halten. Wir verweilen während der Winterpause nun auf dem 13. Tabellenplatz, drei Punkte vor den Abstiegsrängen. Die Winterpause ist kurz. Schon am 16.01.2026 startet die Rückrunde im heimischen Jahnstadion gegen den unbeliebten Donaunachbarn aus Ingolstadt. Wir wünschen allen Jahnfans besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. 2026 wird einiges auf uns zukommen. Packen wir es an!
Eine große Jahnfamilie wollen wir immer sein!
~ Castra Regina Invicta