Nachdem wir den Dämpfer beim letzten Heimspiel gegen Hansa Rostock schnell und gut verdaut hatten, durften wir nun am Nikolaustag auf der Autobahn wieder unseren Sprit verfahren. Juhu, Hoffenheim II. Was für ein Leckerbissen. Getreu dem Motto „Egal wo du spielst…“ versuchten wir, den Spieltag doch irgendwie attraktiv zu gestalten. Die Spielstätte dieser Begegnung war das Stadion, welches nach einer Person benannt wurde, die in jüngerer Vergangenheit öfter mit dem liebenswerten H-Wort in Verbindung stand. Von 1999 bis 2008 war es die Heimat der ersten Mannschaft der TSG. Heute finden hier nur noch die Spiele der Damenmannschaft sowie der Nachwuchsabteilung des verachtenswerten Kommerzvereins ohne Identität statt. Star der Hoffenheimer Zweiten ist ein als Fußballer gescheiterter Möchtegern-Influencer, der perfekt zu diesem glanzlosen Kackverein passt. Derjenige verpasste diese Partie allerdings aufgrund einer Muskelverletzung. Die Vollzahler-Stehplatztickets konnte jeder Jahnfan für lobenswerte 11 €, ermäßigte Tickets sogar für 9 €, erwerben. Davon sollten sich andere Klubs mal eine Scheibe abschneiden. Auch wenn wir dem Sinsheimer Ortsteil-Klub so wenig sportlichen Erfolg wie nur möglich wünschen, sind die Ticketpreise bei deren Zweitvertretung mehr als fair und sollten in ganz Fußballdeutschland Standard sein. Zudem gab es für Kurzentschlossene die Möglichkeit einer Tageskasse, bei der die Gästetickets ohne Aufschlag erworben werden konnten. Vor der Partie stand Hoffenheims Zweitvertretung mit vier Punkten vor dem Jahn auf dem neunten Tabellenplatz, weshalb ein Sieg für uns enorm wichtig wäre. Noch nie spielte unser Traditionsverein gegen die TSG-Amateure. In der damaligen Regionalliga Süd kam es in den Jahren 2000-2008 allerdings zu acht Duellen mit deren Profimannschaft. Diese Statistik ist mit zwei Siegen, vier Unentschieden, zwei Niederlagen und einem Torverhältnis von 12:12 komplett ausgeglichen.
Die Hinreise gestaltet sich wieder sehr zügig und ohne nennenswerte Vorkommnisse. Nachdem wir am großflächigen Gästeparker ankamen, wartete eine sehr kurze Forstwanderung zur Spielstätte auf uns. Für uns wahre Naturburschen verlief der anschließende Einlass problemlos und entspannt. Nervig war allerdings wieder, dass das eingesetzte Imbiss-Personal enorm lang dafür brauchte, die kulinarischen Wünsche der hungrigen und durstigen Jahnfans zu erfüllen. Für jeden Fußballfetischisten ist es immer wieder ärgerlich, zu Spielen gegen verabscheuenswerte Zweitvertretungen anzureisen. Auch hier fordern wir weiterhin eine eigene Liga für zweite Mannschaften! Von den insgesamt 1.027 Zuschauern kamen circa 430 Fans aus dem wunderschönen Regensburg. Vor Spielbeginn blieb der Gästeblock aufgrund einer Schweigeminute inklusive eines „Ruhe in Frieden, Klaus!!“-Spruchbandes für einen verstorbenen Jahnfan stumm. Wir sprechen diesbezüglich allen Angehörigen unser aufrichtiges Beileid aus! Der Support der mitgereisten Regensburger startete ordentlich, flachte aber im Laufe der Partie etwas ab. Optisch konnten wir mit dem Auftritt aufgrund der guten Fahnenverteilung durchaus zufrieden sein. Erwähnenswert ist außerdem, dass im Gästesteher ein „SSV“-Graffiti entstand, welches vom Spielfeld gut zu sehen war. Irgendwann im Laufe der Partie ereignete sich auch noch ein Wechselgesang des gesamten Gästeanhangs mit einem einzelnen ausgesperrten Jahnfan, der es sich auf einem neben dem Stadion gelegenen Baum bequem machte. Ausgesperrte immer bei uns! Die Jahnelf hatte mit Anpfiff tatsächlich Bock, hier was mitzunehmen. So erspielten sich unsere Rothosen etliche gute Gelegenheiten. Kühlwetter schob die Kugel aus knapp 16 Metern rechts am Tor vorbei, Eichingers 1:0 wurde vom linken Schienbein des Keepers verhindert und die Latte hatte dann plötzlich auch noch ein Hoffenheim-Trikot an. Genau so ging es in der ersten Spielhälfte die ganze Zeit weiter: Kühlwetter scheiterte nach TSG-Fehlpass kläglich im 1-gegen-1, als er unbedingt unnötigerweise mit dem Außenriss glänzen wollte. Was für eine kläglich vergebene Todchance. Hermes‘ Kopfball aus einem (!) Meter ging kurz vor dem Pausentee über das Gehäuse. Da konnten wir wirklich nur noch ungläubig mit dem Kopf schütteln. Keine Ahnung, wie es nach 45 Minuten nicht schon 3:0 für den Jahn stand, aber naja. Die Hausherren in den blauen Dressen hatten dann plötzlich nach Wiederanpfiff Oberwasser und erspielten sich immer wieder gute Gelegenheiten. Wie es dann natürlich kommen musste, schaltete Jahn-Verteidiger Mätzler in einer Szene komplett den Kopf aus und brachte einen TSG-Angreifer im Strafraum zu Fall. Elfmeter! Dieser wurde dann grottenschlecht in die Mitte geballert. Warum Gebhardt den nicht parieren konnte, erschließt sich uns nicht. Es musste halt so sein. Stark schlaganfallgefährdet versuchten wir, den unverdienten Rückstand zu vergessen. Unsere Truppe fand danach nicht mehr richtig ins Spiel und ging erneut als Verlierer vom Platz. Der Chancenwucher in der ersten Halbzeit wurde einfach bestraft.
Eine mehr als vermeidbare Niederlage gegen einen mehr als schlagbaren Gegner. Die Punkte hätten uns richtig gutgetan. Am kommenden Sonntag geht es in den eigenen vier Wänden gegen den SV Waldhof Mannheim, die an diesem Spieltag Saarbrücken mit 2:1 schlagen konnten. Tabellarisch stehen wir nun auf dem schlechtesten Klassenerhaltsrang 16, zwei Punkte vor Wismut Aue. Gegen Mannheim müssen Tore gemacht werden, egal wie! Wir hoffen mal, dass das Torschusstraining in der folgenden Woche etwas bringt.
Alle ins Jahnstadion!
~ Castra Regina Invicta